Randbemerkungen

Pack die Badehose ein

Nachbetrachtungen zum Radwandern, Teil 2:

Eine Badehose hat ziemlich lange nicht zu meinem Standard-Gepäck für mehr­tägige Radtouren gehört, obwohl sie nun wirk­lich nicht aufträgt – irgend­wie war mir der Spaß am Plan­schen abhanden gekommen. Aber dieses Mal war wieder eine dabei, und das war gut so; bei einer Hitze wie Ende Juli springt sogar dieser Bade­muffel frei­willig in den See, wenn einer da ist.

Vermisst habe ich dann doch den beque­meren Falt­sessel, den ich beim ⇢ Probe­packen aussor­tiert hatte. Im letzten Moment war er nicht ersatz­los gestri­chen, sondern durch einen kleinen, leichten Dreibein-Schemel ersetzt worden; aber so niedrig und ohne Rücken­lehne – dann kann man sich zum Kochen wirk­lich besser auf den Boden setzen.

rau asphaltierter Weg auf einer ZeltWiese, im VorderGrund steht ein GasKocher, Topf und KüchenGerät, daneben ein kleiner FaltSchemel. Im HinterGrund unscharf ein kleines Zelt, von dem eine WäscheLeine zu einem Fahrrad gespannt ist.

Manchmal hat man ja auch Glück auf den Camping­plätzen, und zur Zelt­wiese gehört eine ordent­liche Sitz­gelegen­heit, und sei es nur eine Bier­garten-Garnitur. (Über eine solche habe ich mich im Tann­heimer Tal weniger zum Sitzen gefreut als deshalb, weil ich sie bei stür­mischem Wind umkippen und den Gaskocher geschützt dahinter aufstellen konnte.) Aber es ist halt doch zu konsta­tieren, dass die „normale“ Form von Camping heute nicht mehr das Zelten beim (Rad-)Wandern ist, sondern das Vanlife, und in dieser Kate­gorie hat man natür­lich viel mehr Stau­raum für allen erdenk­lichen Luxus.

Allerdings gehe ich davon aus, dass ich beim nächsten Mal, wenn ich mit Zelt und Gedöns aufbreche, doch lieber wieder das „große“ Reiserad nehme und dann auch wieder mehr Zulade-Kapa­zität habe; denn so hoch und schwer bepackt, wie der Renner diesmal war, fand ich seine Felgen­bremsen auch nach Justage lange nicht so vertrauens­erweckend wie die hydrau­lischen Scheiben­bremsen des Last­esels – die Brems­wege sind da schon deut­lich unter­schiedlich. Und dann fahre ich mit viel Gepäck lieber in der Ebene ein paar Prozent lang­samer, fühle mich dafür aber bergab wesent­lich sicherer.

Was sich bewährt hat:

— die gefahrene Strecke nicht mit dem Handy aufzeichnen und das Fon auch nicht (bzw. nur temporär im Notfall) zur Navi­gation nutzen. Habe ich bei früheren Touren übern Tag manchmal zwei Power­banks à 10.000 mAh leer­genuckelt, so musste ich diesmal über­haupt nur zwei Mal in drei Wochen die Strom­reserve anzapfen. Und das, obwohl ich nicht jeden Abend Strom auf dem Zelt­platz hatte! Inso­fern hat sich die Inves­tition in einen sepa­raten (einfachen und spar­samen) GPS-Logger wirk­lich gelohnt.

— die Über­tragung der jeweils aufge­zeichneten Tages-Strecke zu Umap. Das hat gut funk­tioniert bei über­schau­barem Zeit­bedarf, und zwar so: Über ein Micro-USB-Daten­kabel habe ich täglich den GPX-Track aufs Fon über­tragen, dort mit der App GPX Hero die ⇢ noto­risch falschen Höhen­meter-Angaben berei­nigt und die aktua­lisierte GPX-Datei in meine Umap-Land­karte hochgeladen.

Ein abgepackter Salat aus Melone und Feta, ein FruchtJogurt, zwei Bananen, ein O-Saft und eine große Flasche Wasser stehen auf einer HolzBank.

— Spork und Taschen­messer greifbar haben (also nicht tief vergraben, sondern in einer Lenker- oder Rahmen­tasche schnell zugäng­lich). Denn selbst wenn man es sich leisten könnte und wollte, jeglichen Kalorien­bedarf in der Gastro­nomie zu decken, bleibt doch der Umstand, dass ein Super­markt mit Kühl­theke in vielen Gegenden leichter zu finden ist als ein Café oder Restau­rant, und fürs kleine Pick­nick am Straßen­rand mag ich nicht lange nach dem Besteck suchen müssen.

Wovon ich in Zukunft eher wieder Abstand nehmen werde:

Dieses Mal hatte ich mir vorge­nommen, der Familie möglichst täglich auch das eine oder andere Foto zugäng­lich zu machen. Das ist aller­dings, wenn man nicht ausschließ­lich per Handy foto­grafiert (und das will ich nicht), mobil absurd aufwendig. Nun hatte ich hier auch den Fehler gemacht, die Kamera per Kabel ans Handy anzu­stöpseln und die Fotos dann *nicht* zuerst über die Dateien-App 1:1 zu kopieren und erst danach in die Fotos-App einzu­lesen, sondern sie direkt von der Speicher­karte zu impor­tieren. Und dabei gehen nicht nur die Datei­namen, sondern auch die Aufnahme­daten verloren; Ergebnis war, dass die Bilder nachher voll­kommen unsor­tiert, sogar tage­weise durch­einander im eigens dafür ange­legten Nextcloud-Verzeichnis landeten und ich halbe Abende im Zelt damit verbracht habe, da etwas Ordnung rein­zubringen. Und Schadens­begrenzung auf irgend­welchen Netz­lauf­werken ist nicht das, was ich beim Radreisen am liebsten mache.

Daher gehe ich für die nächste Unter­nehmung dieser Art davon aus, dass es Fotos von unter­wegs nur spora­disch und vom Handy gibt und die „rich­tigen“ Bilder dann in Ruhe erst daheim aufbe­reitet werden. Schließ­lich ist man ja im Urlaub und nicht auf der Flucht.

***

Und ansonsten könnte es jetzt auch gern wieder losgehen, denn diese Tage ohne Radfahren sind mir entschieden zu anstrengend …

2 Comments

    • Christian Wöhrl

      Ja, ich war erstmals da, und es hat mir extrem gut gefallen! Eine sehr angenehme Landschaftsform, wo ich es, glaube ich, in jeder Stimmung gut aushalten könnte. Im Tal selbst noch sehr lieblich und weitläufig, aber die umgebenden Berge sehen schon ziemlich ernsthaft aus und so, als ob man dort viele schöne und auch mal anspruchsvolle Wanderungen machen könnte.

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