Randbemerkungen

Was wir (uns) leisten

„Der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volks­wirt­schaft­lich leisten, nicht mehr finanzierbar.“

Was für eine monströse, infame ⇢ Lüge.

Erstens sollten Stich­worte wie
— vielfältige und immer noch weiter zuneh­mende Subven­tionen fossiler Energie­verschwendung
— Vermögens­steuer
— Cum-Ex und Cum-Cum
— Erbschafts­steuer
— allzu nach­lässig verfolgte Steuer­hinterziehung
genügen, um daran zu erinnern, dass wir es uns (mit wohl­wollender Billi­gung sämt­licher Regie­rungen seit mindes­tens Helmut Kohl) sehr wohl leisten können, syste­matisch hunderte Milli­arden Euro dem Staats­haushalt vorzuent­halten und in die Taschen meist ohnehin schon Über­reicher umzuleiten, woran sich nach Wunsch der Regie­renden bitte auch weiterhin nichts ändern möge.

Und wenn, zweitens, unsere Volks­wirt­schaft nicht leistungs­fähig genug ist (was immer das heißen mag), so hängt das wohl im Wesent­lichen damit zusammen, dass sie sich nicht annä­hernd genug mit zukunfts­fähigen Techno­logien befasst – die wurden im Gegen­teil, vor allem von der Partei des jetzigen Kanzlers, stets möglichst klein gehalten oder gleich ganz aus Deutsch­land wegge­ekelt –, sondern sich immer noch primär auf den frag­würdigen Lorbeeren des Umstandes ausruht, dieses Land durch die Erfin­dung und subse­quente Fetischi­sierung des verbren­nungs­motori­sierten Indi­vidual­verkehrs in die welt­weite Spitzen­gruppe der Klima­schädlinge kata­pultiert zu haben: mit der Folge, dass hier künst­lich Industrie­zweige am Leben gehalten werden, für deren Produkte es in fort­schritt­licheren Teilen der Welt schon lange keine Nach­frage mehr gibt.

An dieser Stelle verkneife ich mir eine persön­liche Bemer­kung zum Urheber des obigen Zitats, denn jegliche Formu­lierung, die seinem Charakter gerecht würde, wäre mit meiner Kinder­stube nicht vereinbar. Nur so viel: Dieser Mensch hätte niemals auch nur in die Nähe eines öffent­lichen Amtes gelangen dürfen – das nicht verhin­dert haben zu können wird den aller­meisten von uns noch sehr leid tun.

— —

Postscriptum, 30.8.: Immerhin gab es in den letzten Tagen den einen oder anderen Medien-Bericht darüber, dass relativ zum gesamten Bundes­haushalt die Sozial­ausgaben sogar einen immer kleineren Teil ausmachen. (Die Aussage da oben ist also auf noch mehr Ebenen gelogen, was aber niemanden ernst­haft über­raschen sollte.) Solche Richtig­stellungen sind leider viel zu selten, und ich glaube nicht, dass es für den gesell­schaft­lichen Zusammen­halt förderlich ist, wenn scham­loses, unwider­sprochenes Lügen, so wie im In- und Ausland gefühlter­maßen immer öfter­ zu beobachten, zum Standard-Modus politi­scher Kommu­nikation wird.

6 Comments

  • Aebby

    100% Zustimmung.

    und noch ein bitterer Zusatz. Ich habe vor kurzem eine Diskussionen mit einem sehr konservativem Menschen geführt. Er war mit dem oben zitierten Politiker auch unzufrieden allerdings aus ganz anderen Gründen, ihm war die aktuelle Regierugnspolitik zu links.

    • Christian Wöhrl

      Das ist irgendwie schwer vorstellbar. Noch mehr Trump und noch weniger Merkel? Es gibt ja Theorien, warum Menschen so was wollen (und zwar sogar dann, wenn sie selbst nicht zu den Privilegiertesten zählen); aber nachvollziehbar ist das für mich nicht …

  • Birte

    Und Frau Bas kündigt eine Nullrunde für Bürgergeldbezieher*innen an. Man möchte nur noch kotzen. Wir leisten uns Spahn, Dobrindt und Scheuer und es wird wieder kräftig nach unten getreten. Von Söder, der das Geld mit vollen Händen für seine Fressfotos ausgibt, möchte ich gar nicht erst anfangen.

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