Vermischtes mit halbstarken Verben
Zu meinen Lieblingsphänomenen der deutschen Sprache gehören die starken Verben (eine umfangreiche, wenn auch nicht vollständige Liste ⇢ hier). Da würde mich doch sehr interessieren, wie es dazu kam, dass von Verben mit sehr ähnlichem Klang das eine stark und das andere schwach konjugiert wird … Warum heißt das Sprichwort zum Beispiel nicht Der Berg kriss und gebärte eine Maus?
Jedenfalls kommt es mir angesichts der zahlreichen durchs Web marodierenden AI-Bots manchmal wie eine lustige Idee vor, meine älteren Texte noch mal zu überarbeiten, indem ich alle starken Verben im Präteritum und Partizip II in schwache umwandle und umgekehrt, um das Trainingsmaterial zu kontaminieren. (Ja, ich weiß, völlig sinnlos. Aber so einen kleinen Beitrag dazu, dass die LLM-Blase endlich platzt, würde man ja doch zu gern leisten …)
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Potemkinscher Pilz?
(Carl Zeiss Jena Tessar 50 mm 2,8, ca. 1950er)


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Noch ein interessantes Ding zum Themenkomplex German is such a heavy language: Ortsnamen adjektivieren, insbesondere solche auf -en. Warum heißt die Straße aus Ramelsloh Richtung Marxen Marxener Straße, aber der Bahnhof in Göttingen nicht Göttingener Bahnhof? Warum gibt es eine Sankt Galler Klosterbibliothek, aber keine Dresder Bank? Gibt es hinter dieser Uneinheitlichkeit ein System, und wenn ja, welches? (Gruß an JMJ für die willkommene gedankliche Ablenkung von wichtigeren Dingen!)
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Übrigens hab ich offensichtlich gerade ein neues Boomer-Level freigespielt, denn ich beginne nostalgische Gefühle für Dreamweaver anno ca. ’99 zu entwickeln. Verflixnomma, gibt es heute denn wirklich kein seriöses Tool mehr, mit dem man in einer grafischen Umgebung eine statische Website zusammenklicken, aber bei Bedarf auch direkt den Quellcode editieren kann? Ich hab keine großen Ansprüche, möchte bloß eine Site aus drei Einzelseiten mit etwas Text und Fotos so aufsetzen, dass sie grafisch wie typografisch eine gewisse Mindesteleganz hat und dabei responsiv ist; und das CSS dafür selbst zu tippen überstiege denn doch meine Kompetenzen.
(Dass es Dreamweaver heute noch gibt, ist mir bekannt. Aber das gehört inzwischen Adobe und möchte im Abo so teuer bezahlt werden, dass es für nur sporadischen Bedarf nicht infrage kommt. Und wenn es sich seither in ähnlicher Art „weiterentwickelt“ hat wie InDesign, verzichte ich sowieso dankend.)
Ansonsten hab ich neulich mal wieder Mobirise rausgesucht, mit dem ich vor ca. 10 Jahren ein paar Galerien angelegt hatte. Aber das war damals schon eher verspielt mit einem Interface, das bestimmt auf einem 4-Zoll-Handy noch prima tatschbar ist, aber jeden Eindruck von Professionalität oder auch nur Effizienz konsequent vermeidet. Und den Code kann man auch nur dann editieren, wenn man für horrend viel Geld das Gesamtpaket mit drölftausend vorgefertigen Designschnipseln kauft. Oder eben hinterher, um bei der Gelegenheit auch noch massenhaft unerwünschte Codezeilen rauszuwerfen – aber wenn man dann noch mal in Mobirise ranwill, fängt man wieder von vorne an. Oh, aber dafür kann man jetzt dem AI-Assistenten sagen, was für eine Website man gern hätte, und der macht das dann. Ja hallo, der ist bei mir genau richtig …
Rocketcake hab ich kurzzeitig auch ausprobiert, aber das würde selbst auf einem Intel 386 altmodisch aussehen und ist auch ähnlich performant. Nachdem mir zwei Tage lang weder mit Trackpad noch Tastatur die kontrollierte Steuerung des Programms gelungen ist, hab ich das auch wieder runtergeworfen.
Danach hab ich quasi meine Kapitulations-Erklärung unterschrieben, indem ich noch mal eine Wordpress-Instanz aufgesetzt habe in der Hoffnung, mir einfach (hihi, einfach) mit Twenty-Twentyfive ein Grundgerüst zu klicken, paar Fonts installieren, bisschen Layoutvorgaben und einen Seiten-Rohbau, und das dann mit einem geeigneten Plugin in statisches HTML zu überführen. Ha!, und jetzt gelingt es mir partout noch nicht mal, ein Navigationsmenü sticky zu machen. (Wie das theoretisch funktioniert, nämlich über eine Gruppe für den Header-Block, ist mir bekannt – auf der ⇢ Seite meines Vereins ist es mir ja auch intuitiv gelungen. Bei meinen eigenen Seiten zerschieße ich mir derweil die Templates und Vorlagen so konsequent, dass ich, think positive, inzwischen sehr viel Routine im Löschen und Neu-Anlegen von Datenbanken und WP-Instanzen angehäuft habe …)
Orr. Das Internet hatte auch schon bessere Jahrhunderte.
One Comment
Gerhard
Deinem letzten Satz kann ich beipflichten.