Mister Fix-it kommt ans Limit
Diese Woche sah es in meinem Hobbykeller zeitweilig so aus:

Es hatte mich nämlich schon länger gestört, dass die Verschlusszeiten an meinem zweitwichtigsten Großformat-Objektiv zunehmend unzuverlässig gebildet wurden. Und weil der Feinmechanik-Bastler meines bisherigen Vertrauens in Hamburg wohl nicht mehr praktiziert, hab ich mir nun ein Herz genommen und den „Copal Nr. 1“ selbst mal geöffnet.
Natürlich nicht unvorbereitet, sondern nach Video-Vorbild, weil Anschauen manchmal halt doch, nun ja, anschaulicher ist als Lesen. Dafür was Vernünftiges zu finden ist aber mittlerweile bei DIY-Projekten fast das Schwierigste, denn YouTube ist anno 2025 so gründlich schietifiziert, dass man es sich kaum noch schlechter vorstellen kann. Der erste brauchbare Link zur Anfrage Copal Verschluss reinigen war Fundstelle Nr. 12, vorher gab’s Geheimtipps zur Abflussreinigung, Kochrezepte und Disney-Musicals (WTF?)
Jedenfalls hatte ich nach Durchsicht dieses Videos noch gehofft, es könne damit getan sein, das „Uhrwerk“ zum Spannen des Verschlusses auszubauen und sparsam-sorgfältig zu ölen. Aber dem machte das Hebelchen, das man hier unscharf im Hintergrund sieht, einen Strich durch die Rechnung:

Das gehört nämlich eigentlich hier hin (Bildmitte):

Offenbar war das vorher schon so-gut-wie-ab, und mein Öffnen und probeweises Spannen hat ihm endgültig den Rest gegeben, RIP. Nun lässt sich der Verschluss also nur noch mit dem Fokussier-Hebel öffnen und auch wieder schließen, und ich sollte wohl dazu übergehen, fürs Fotografieren auf Film ein ordentlich dichtes ND-Filter liegen zu haben, damit die Belichtungssteuerung per Deckel auf – Deckel zu möglich wird …
Glück im Unglück immerhin, dass ich die Großformatige inzwischen ⇢ meistens digital verwende. Da muss der Verschluss nicht schnurren wie ein Uhrwerk, sondern es reicht, wenn er permanent offen bleibt. Denn Ersatz zu beschaffen wäre auch eher nontrivial, wenn man sich die Märchenpreise für solches Gerät auf den einschlägigen Plattformen anguckt: Für einen kleiner-als-dreistelligen Betrag sind vollständige Verschlüsse nicht zu haben, im Extremfall werden allein für einen läppischen Konterring fünfzig Euro fällig und noch Zoll obendrauf. Alles irre.
Oder versuche ich mich dran, den Hebel anzulöten? Kaputter werden kann es ja nicht mehr (solange ich nicht den Kolben an ungünstiger Stelle fallen lasse), aber es sieht halt doch feinmotorisch herausfordernder aus als die gelegentliche Reparatur eines Klingeldrahts. Nein, ich glaube, das bleibt jetzt so, bis ich per Zufall mal einen Verschluss in 1er Größe irgendwo finde. Und wenn nicht, auch nicht schlimm. Immerhin hat das Zerlegen ein bisschen Spaß gemacht 🙂
2 Comments
Andreas
„Löten“ nur, wenn hartlöten (also mit Silberlot @~600°) oder schweißen. Bei beidem wäre ich mir nicht sicher, ob das hält. Weichlot hält an der Stelle ganz sicher nicht. Der Hebel ist ja abgebrochen, weil er irgendwelche Lasten gesehen hat. Für Weichlot hat man da zu wenig Kontaktfläche (nur die schmale Bruchstelle).
Vielleicht kann man aber das ganze Blechteil am Stück nachbauen? Das sieht nicht hyperkomplex aus. Vorausgesetzt man kann den Rest (die andere Seite des Hebels) einfach demontieren.
Christian Wöhrl
Danke!, so ähnlich hatte ich mir das mit der Belastbarkeit auch vorgestellt (ohne mich mit den Details des Lötens auszukennen). Ob ich an das Kopfstück des Blechteils rankäme, hab ich nicht ausprobiert; das irgendwie nachzubauen wäre zwar auch eine interessante Herausforderung, aber so wichtig ist es dann nicht 🙂
Was ich allerdings sehr bedauere, das ist das allmähliche Wegsterben dieser kleinen Lädchen mit passionierten Schraubern – da dürfte es gern bald mal eine Renaissance geben.