Führung, wie sie auch sein könnte
Collective investments in resilience are cheaper than everyone building their own fortresses.
Diesen und noch viele weitere kluge Sätze sprach jüngst ein nordamerikanischer Regierungschef in Davos. Nein, nicht der Terror-Clown aus dem weiß-goldenen Haus, dessen wirres Gestammel wieder ungebührlich viel mediale Aufmerksamkeit bekommt – es war Mark Carney, Premierminister von Kanada, der gestern eine epochale Rede gehalten hat. Ihr findet sie auch auf Youtube, aber die Schriftfassung ist etwas leichter verständlich: ⇢ Special address by Mark Carney, Prime Minister of Canada.
Es geht – ohne je irgendwelche Namen zu nennen – darum, dass ein auf Unrecht und Gewalt basierendes System nur Bestand haben kann, weil und solange sich genügend Schwächere finden, die durch Kollaboration wider besseres Wissen die Illusion von Recht und Ordnung aufrechterhalten. Carney skizziert, welche realistischen Möglichkeiten Middle Powers haben, solchem Unrecht etwas entgegenzusetzen; und seine Schilderung, wie man mit einem Gewaltherrscher eben nicht umgehen sollte –
we negotiate from weakness. We accept what’s offered. We compete with each other to be the most accommodating.
This is not sovereignty. It’s the performance of sovereignty while accepting subordination.
– das ist leider eine schrecklich präzise Beschreibung des politischen (Re)Agierens von Friedrich Merz und von maßgeblichen Teilen des europäischen Konservatismus. Im Abgleich mit solchen Statements wie von Carney wirkt unsere politische Klasse gerade noch sehr viel jämmerlicher als sowieso schon – wenn wir nicht bald noch die Kurve kriegen, stehen wir mal wieder auf der falschen Seite der Geschichte.