Randbemerkungen

Phantomverpflichtungen

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr euren RSS-Feed­reader ein paar Tage nicht geöff­net habt und euch dann Dut­zende oder gar Hun­derte unge­lesener Arti­kel gemeldet werden? Mir zumin­dest geht es dann oft so, dass ich sofort die Lust ver­liere und das Pro­gramm direkt wieder beende, nur um dann beim nächsten Auf­ruf mit einer noch viel größeren Zahl konfron­tiert zu werden …

Terry Godier hat sich gefragt, warum das eigent­lich so ist – warum diese Soft­ware-Klasse zumeist dem Prinzip eines Mail­programms nach­emp­funden ist, obwohl es so viele andere Möglich­keiten gäbe, das Inter­face zu gestal­ten. Er hat es aber nicht nur sich selbst gefragt, sondern ⇢ auch seine Commu­nity im Fedi­verse. Und er hat darauf eine Antwort bekom­men, nämlich von Brent Simmons, dem Entwickler von NetNewsWire, der diese Design­entschei­dung vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal getroffen hat. Aus diesem Austausch ist ein ziem­lich toller Essay entstanden über die Schuld­gefühle, die wir uns unnötiger­weise von Soft­ware aufnö­tigen lassen: ⇢ terrygodier.com/phantom-obligation

Viele der Schluss­folge­rungen, die sich aus diesen Über­legungen ziehen lassen, habe ich über die Jahre selbst schon gezogen; so sind auf den Mobil­geräten die Benach­richti­gungen für die meisten Apps mindes­tens stumm-, meistens komplett ausge­schaltet, nur das Telefon und ausge­wählte Signal-Kontakte haben umfas­sende Berech­tigungen, und auch das nur in wenigen Ausnahme­fällen 24/7.

Während ich diesen Aufsatz las, fiel mir aller­dings auf, dass es in meinen digi­talen Ange­legen­heiten doch noch eine Sache gibt, die mich ohne Notwen­dig­keit piesackt, und das ist die „Mag ich“-Funk­tion auf meiner Website. Oder genauer: Das war sie, denn das entspre­chende Plugin habe ich heute dein­stal­liert. Ja, es gab euch die niedrig­schwellige Möglich­keit, Lob oder Zustim­mung auszu­drücken; aber für mich war es primär ein Stress­faktor, weil diese unschein­bare kleine Zahl unten auf jeder Seite mich perma­nent anplärrte, treib gefäl­ligst Markt­forschung, kümmere dich um die Inter­essen deiner Leser*­innen, und sorry, genau das ist nicht der Sinn eines privaten Blogs 🙂

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