Randbemerkungen

Ihren Bannon gelernt

Die demonstrative Freund­schaft von Teilen des deut­schen Konser­vatismus zum US-Faschismus trägt Früchte: Derzeit sind unsere Inlands-Nach­richten rand­voll mit Muster­beispielen für Steve Bannons Kommuni­kations­(verhin­derungs)­strategie Flooding the zone with shit. Wie aus der Gülle­pumpe wird der Diskurs­raum mit täglich neuen Unver­schämt­heiten über ach so faule, verwöhnte Arbeit­nehmer*­innen geflutet, typischer­weise von Leuten, für die eigene konstruktiv-posi­tive Beiträge zum Gemein­wohl nicht über­liefert sind.

Ihr habt’s alle mitbe­kommen, ich muss das nicht im Detail ausführen: Denn hier geht es nicht ums Detail, sondern es geht primär darum, den Druck auf die unteren und mitt­leren Einkom­mens­schichten perma­nent so hoch zu halten, dass niemand auf die Idee kommt, mal die eigent­lich inter­essanten Fragen danach zu stellen, wem zu dienen eine gewählte Regie­rung verpflichtet ist und wem eher nicht. Ob nun konkret aus der 35- bald wieder eine 45- oder 50-Stunden-Woche wird und ob nun alle Zahn­arzt-Kassen­leistungen wegfallen oder nur manche, ist dabei zweit­rangig – entschei­dend ist, immer noch mehr Zumu­tungen in den Bereich des Denk­baren zu rücken, damit möglichst viele Menschen möglichst existen­zielle Angst haben, denn dann hinter­fragen wir nicht mehr so viel und sind leichter steuerbar.

Und aus dem Bereich des Denk­baren wandern die Dinge halt irgend­wann in den Bereich des Mach­baren: Wenn dein Gegen­über nur lange und laut genug darüber fanta­siert, beispiels­weise Art. 1–19 GG ersatzlos zu streichen, kommt es dir irgend­wann gar nicht mehr so radikal vor, nur Art. 1–10 zu streichen, son­dern eher wie ein fairer Kompromiss …

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert