Randbemerkungen

Rechtschreibung ist tot

Heute war es so weit: Zum ersten Mal wurde einer meiner liebe­voll selbst geschrie­benen Texte als offen­sicht­lich KI-gene­riert abge­wiesen. Es war halt ein geschäft­liches Schreiben an eine Firma, deren Mitarbei­tende ich nicht persön­lich kenne und dement­sprechend auch nicht kumpelig duzen würde, es war sach­lich-nüch­tern, dabei ange­messen freund­lich und mit adä­quater Gruß­formel verfasst; und beim Versuch, es über ein Kontakt­formular abzu­senden, erhielt ich die Mittei­lung, ich möge mir doch bitte die Zeit nehmen, meine Nach­richten selbst zu schreiben, statt sie von einer KI verfassen zu lassen.

Im zweiten Versuch – nachdem ich sie durch einiges Blafasel sowie eine Entschul­digung für die ortho­grafi­sche Tadel­losig­keit meines ersten Textes auf den doppelten Umfang aufge­blasen hatte – ging die Nach­richt durch. Denn das scheint mir die einzig plausible Erklä­rung fürs Anspringen des KI-Filters zu sein: Wenn sich auf 500+ Zeichen kein ein­ziger Tipp­fehler findet, kann das ja nur eine Maschine geschrieben haben …

Fediverse-Reaktionen

9 Comments

  • Wolfgang von Sulecki

    Es gibt Tage, an denen freut es mich schon 80 geworden zu sein und ein Ende in Sicht zu haben …. erst eine vermurkste Rechtschreibreform, dann die wirren Zeiten von *everything goes*, und nun die Kontrolle (!) von Korrespondenz durch Maschinenprogramme.
    Es wird dringend Zeit diesem Wahnsinn Regeln vorzuschieben bevor es zu spät ist, und uns die Veröffentlichungen nicht mehr gelingen weil wir aus der Öffentlichkeit verbannt wurden ….

    • Christian Wöhrl

      Das ist ein Aspekt, den ich noch nicht bedacht hatte, aber tatsächlich lässt sich da die eine oder andere Möglichkeit vorstellen. Zuerst könnten zukünftige Versionen unserer Content Management Systeme unseren Content (den wir ja aus guten Gründen nicht so nennen) noch etwas rabiater managen; und wenn wir unsere Blogs dann wieder auf selbstgetipptes HTML umgestellt haben, werden wir wenn nicht deshalb, dann wegen unangepasster Sprache aus den Such-Rankings geworfen …

  • Aebby

    Seltsame Zeiten in denen wir leben. Ich wollte kürzlich einen Fahrradständer auf Kleinanzeigen verkaufen. Die Anzeige wurde wegen unangemessener Inhalte gesperrt. Ich habe keine Ahnung was die KI für unangemessen hielt.

    Die Zensurmöglichkeiten, die sich aus maschineller Inhalts-Kontrolle ergeben, hatte ich auch nicht auf dem Zettel.

    • Wolfgang von Sulecki

      Da haben wir doch gleich ein gutes Beispiel dafür, daß meine Bedenken nicht haltlos sind.
      Man stelle sich vor es wäre eine autokratische Regierung an der Macht und gäbe der KI bestimmte *key-words* für eine Sperrung vor ….

      • Christian Wöhrl

        Im Prinzip passiert das ja heute schon bei den algorithmisch gesteuerten Social-Media-Diensten – manchmal sehr platt und manchmal noch etwas subtiler … Wir müssen sehr aufpassen, uns Kommunikationsstrukturen zu erhalten, die sich solchen Fremdeinwirkungen entziehen – aber mit dieser Ansicht gilt man leider gern als paranoid :-/

  • uli

    Das tud we. Ich hofe sär, das main Komenta bis tsu dir gelangd. Fileicht wirt ja schon das Internett nach richdiger Rächtschreipung durch geskänt.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert