Rechtschreibung ist tot
Heute war es so weit: Zum ersten Mal wurde einer meiner liebevoll selbst geschriebenen Texte als offensichtlich KI-generiert abgewiesen. Es war halt ein geschäftliches Schreiben an eine Firma, deren Mitarbeitende ich nicht persönlich kenne und dementsprechend auch nicht kumpelig duzen würde, es war sachlich-nüchtern, dabei angemessen freundlich und mit adäquater Grußformel verfasst; und beim Versuch, es über ein Kontaktformular abzusenden, erhielt ich die Mitteilung, ich möge mir doch bitte die Zeit nehmen, meine Nachrichten selbst zu schreiben, statt sie von einer KI verfassen zu lassen.
Im zweiten Versuch – nachdem ich sie durch einiges Blafasel sowie eine Entschuldigung für die orthografische Tadellosigkeit meines ersten Textes auf den doppelten Umfang aufgeblasen hatte – ging die Nachricht durch. Denn das scheint mir die einzig plausible Erklärung fürs Anspringen des KI-Filters zu sein: Wenn sich auf 500+ Zeichen kein einziger Tippfehler findet, kann das ja nur eine Maschine geschrieben haben …
9 Comments
Thomas
LOL … Was?! Ein Kontaktformular, dass „KI-Texte“ ablehnt? Irre.
Wolfgang von Sulecki
Es gibt Tage, an denen freut es mich schon 80 geworden zu sein und ein Ende in Sicht zu haben …. erst eine vermurkste Rechtschreibreform, dann die wirren Zeiten von *everything goes*, und nun die Kontrolle (!) von Korrespondenz durch Maschinenprogramme.
Es wird dringend Zeit diesem Wahnsinn Regeln vorzuschieben bevor es zu spät ist, und uns die Veröffentlichungen nicht mehr gelingen weil wir aus der Öffentlichkeit verbannt wurden ….
Christian Wöhrl
Das ist ein Aspekt, den ich noch nicht bedacht hatte, aber tatsächlich lässt sich da die eine oder andere Möglichkeit vorstellen. Zuerst könnten zukünftige Versionen unserer Content Management Systeme unseren Content (den wir ja aus guten Gründen nicht so nennen) noch etwas rabiater managen; und wenn wir unsere Blogs dann wieder auf selbstgetipptes HTML umgestellt haben, werden wir wenn nicht deshalb, dann wegen unangepasster Sprache aus den Such-Rankings geworfen …
Aebby
Seltsame Zeiten in denen wir leben. Ich wollte kürzlich einen Fahrradständer auf Kleinanzeigen verkaufen. Die Anzeige wurde wegen unangemessener Inhalte gesperrt. Ich habe keine Ahnung was die KI für unangemessen hielt.
Die Zensurmöglichkeiten, die sich aus maschineller Inhalts-Kontrolle ergeben, hatte ich auch nicht auf dem Zettel.
Wolfgang von Sulecki
Da haben wir doch gleich ein gutes Beispiel dafür, daß meine Bedenken nicht haltlos sind.
Man stelle sich vor es wäre eine autokratische Regierung an der Macht und gäbe der KI bestimmte *key-words* für eine Sperrung vor ….
Christian Wöhrl
Im Prinzip passiert das ja heute schon bei den algorithmisch gesteuerten Social-Media-Diensten – manchmal sehr platt und manchmal noch etwas subtiler … Wir müssen sehr aufpassen, uns Kommunikationsstrukturen zu erhalten, die sich solchen Fremdeinwirkungen entziehen – aber mit dieser Ansicht gilt man leider gern als paranoid :-/
uli
Das tud we. Ich hofe sär, das main Komenta bis tsu dir gelangd. Fileicht wirt ja schon das Internett nach richdiger Rächtschreipung durch geskänt.
Christian Wöhrl
Elegant an den Filtern vorbeigemogelt. Schapoh!
derbaum
😀