Krisenwahrnehmung
Heute gehört: „Die Weltlage hat sich seit voriger Woche völlig geändert.“
Natürlich weiß man sofort, was gemeint ist, aber – pardon, nein: An der Weltlage hat sich seit den ersten Bombardements im Iran nichts Wesentliches geändert. Seit gewisse Rohstoffpreise so drastisch nach oben gehen, kommt bloß ein etwas größerer Teil unserer Krisen im Bewusstsein auch jener an, die bisher erfolgreich darin waren, sie zu verdrängen. Was da passiert, scheint mir eine normale und erwartbare Entwicklung zu sein, die sich ziemlich nahtlos ins Weltgeschehen einfügt, wenn man sich bisher schon einigermaßen gründlich darüber informiert hat. Die Straße von Hormus ist bloß ein Symbol, ein Trigger, der sich nicht ganz so einfach ignorieren lässt wie all die anderen Warnsignale und jetzt viele Menschen nervös macht, die sich bisher nicht für Krisen interessiert haben.
(Ein ähnlicher Trigger übrigens wie die Zwei vor dem Komma bei den Spritpreisen, die plötzlich Leute auf die Idee bringt, Autofahren sei ja so teuer … Hallo!? Autofahren ist, und zwar trotz der zahlreichen direkten und indirekten Subventionen, mit denen es künstlich attraktiver gehalten wird als die vernünftigeren Alternativen, schon immer teuer – wenn du mit einem Einkommen im unteren Bereich auf ein Auto angewiesen bist, dann malochste auch bei Einsfuffzig je Liter mehrere Monate des Jahres nur dafür, die Karre vor der Tür zu haben und sie betreiben zu können – das wird bloß gern als quasi gottgegeben hingenommen.)
4 Comments
Der Wilhelm
Wieso soll sich die Weltlage erst seit voriger Woche verändert haben?
Trump ist doch schon seit über einem Jahr wieder Präsident und Merzens Kanzlerschaft dauert ja nun auch schon fast so lange. Da muss derjenige wohl einige Wahrnehmungsstörungen haben, der das erst jetzt bemerkt ?
Nach meinem Gefühl jedenfalls geht auf unserem Planeten sogar schon viel länger vieles schief….
Christian Wöhrl
Nicht nur nach deinem Gefühl … Ich kann mich halt so gar nicht in Wertesysteme hineinversetzen, die sich vollständig in € oder $ beschreiben lassen – wahrscheinlich liegt da mein Verständnisproblem.
Darf man das?
Hauptsache dem Wal geht’s gut!
gez.: Eine nach 6 Tagen-Waldauerdienst endgültig karrierewechselreife Nachrichtentussi.
Christian Wöhrl
Ich muss ja gestehen, dass ich auch ein bisschen mit dem Wal gebangt habe – aber am Newsdesk wäre ich dafür auch nicht so gern zuständig gewesen 🙂