Randbemerkungen

Noch was zum Anstrengen

Was mich zuver­lässig wütend macht, ist diese Einstel­lung, die bei Menschen meiner Gene­ration und der meiner Eltern gar nicht selten anzu­treffen ist: „Junge Leute sollen erst mal was leisten, bevor sie sich ein schönes Leben gönnen.“ Mag sogar sein, dass das in einer Zeit vor meiner Erin­nerung mal eine adäquate Haltung war – aber ziem­lich sicher ist sie das heute nicht mehr.

Liebe Alters­genoss*innen, nehmt bitte endlich zur Kenntnis, dass wir unseren Kindern ihre Zukunft sehr gründ­lich versaut haben. Wir wussten es seit Jahr­zehnten, dass das mit dem Wachs­tum und das mit dem Ver­brauch fossiler Roh­stoffe nicht unend­lich weiter­gehen und ein Beharren darauf über kurz oder lang katas­trophale Folgen haben würde. Wir wussten es und wollten es nicht wahr­haben, weil wir es uns in unserer Wohl­stands­blase doch allzu gemüt­lich einge­richtet hatten. Den Preis dafür zahlen unsere Kinder, und der ist voraus­sicht­lich verdammt hoch: Heutige Zwanzig­jährige werden ihren Ruhe­stand mit einiger Wahr­schein­lich­keit nicht im Schaukel­stuhl, sondern auf der Flucht vor den klima­tischen Bedin­gungen im bis dahin nicht mehr bewohn­baren Mittel­europa verbringen. Und wenn man sich dann in anderen Teilen der Welt daran erin­nert, wie Deutsch­land und Europa eingangs des 21. Jahr­hunderts mit Menschen auf der Flucht umge­gangen sind, wird das kein Spaß.

Wenn wir schon so konse­quent daran schei­tern, unseren Kindern eine erträg­liche Zukunft zu ermög­lichen, freuen wir uns bitte zumin­dest mit ihnen, wenn sie es sich in der Gegen­wart hübsch machen!

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