Randbemerkungen

Wem hilft die Deutsche Umwelthilfe?

Ich kann nicht abstreiten, erhebliche Sympathien auch für radikalere ökologische Konzepte zu haben. Demnach müsste ein Verein, der sich Deutsche Umwelt­hilfe nennt, voll auf meiner Linie sein – wenn also Wort­meldungen der DUH selbst bei mir regel­mäßig für Blut­hoch­druck sorgen, läuft irgendwas falsch … Und als sie den Berliner Verkehrs­unfall vom vorigen Freitag mit vier Toten zum Anlass nahm, für ein SUV-Verbot* zu trommeln, war für mich ein neuer Tief­punkt erreicht: Tragische Unglücke dankbar für die eigene Agenda zu instru­menta­lisieren ist ekel­erregend selbst­gerecht und in puncto Argu­mentations­niveau kaum mehr zu unter­bieten. Wenn es der Organi­sation tatsächlich um die Umwelt geht, ist es jedenfalls eine kontra­produktive Strategie, selbst auf umwelt­bewegte Menschen möglichst unsym­pathisch zu wirken.

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* das für sich genommen gar nicht mal doof wäre, zumindest was die ganz großen Modelle angeht. Wenn das Hüft­leiden so fort­geschritten ist, dass man in kein flacheres Auto mehr reinkommt, tut’s vielleicht auch die SUV-Mittel­klasse, und rationale Argumente für X7, GLS und Co. gibt es nun mal nicht. Probe aufs Exempel: Man nehme das größte SUV, dessen man habhaft wird, stelle einen viertel-so-teuren Klein­liefer­wagen daneben und belade beide mit typischer „Sports-Utility“-Nutzlast, bspw. zwei bis drei Fahr­rädern. Der dabei vernehmbare Knall kommt von der rückstands­freien Verpuffung des Argu­ments, ein SUV sei ja soo nützlich …

5 Comments

  • Aebby

    Volle Zustimmung! Zum eigentlichen Text, aber auch zu diesem Satz:

    „Der dabei vernehmbare Knall kommt von der rückstands­freien Verpuffung des Argu­ments, ein SUV sei ja soo nützlich …“

    • chw

      Vielleicht sollte die Industrie diese Fahrzeugkategorie einfach umbenennen, zum Beispiel in RHE, Rentnerlimousine mit hohem Einstieg – das Kürzel SUV hat ja sowieso keinen Sympathiewert mehr …

  • Der Wilhelm

    Tatsächlich eignen sich relativ schwach motorisierte Lieferwagenderivate sehr gut als Rentner-und behindertengerechte Fahrzeuge.

    Wir fahren (genau aus dem Grund )auch so ein Teil:
    In Länge und Breite nicht grösser als ein Ford Fiesta, Leergewicht kaum mehr als eine Tonne, magere 73 PS, Spritverbrauch unter 7,0 l/100km, aber mit hohem Einstieg und einem Ladevolumen, dass ohne grosse Umbauten eine komplette, hochbeladen Europalette da rein passt (u.A. auch deshalb, weil da kein voluminöses und schweres Designer-Sofa im Fond steht, sondern lediglich eine simple, leichte und klein zusammenklappbare Bank…)
    Mehr muss auch nicht sein, wenn man bequem von A-nach B will und dabei nicht auf viel Transportkapazität verzichten kann….

    Was allerdings fehlt. ist tatsächlich der Coolness-Faktor und das aufwertende Prestige teurer Luxus-SUVs.
    Aber wer braucht den schon?

    • Christian Wöhrl

      Wir haben auch genau so was. Also schon länger und höher als ein Fiesta, aber eben im Prinzip eine Handwerkerkarre mit variabel 2 bis 7 Sitzen. Was ich damit schon an (Druckerei-)Maschinen und Ausstattung durch die Republik gefahren habe, ist sagenhaft. Den Kinder war es allerdings in den ersten Jahren ziemlich peinlich, wenn man damit mal zur Schule fahren musste in einer Gegend, wo sonst fast nur die sechsstellig teuren Kisten als Mamataxis zum Einsatz kommen. Das gab sich aber, als irgendwann klar wurde, dass wir die Einzigen waren, die auch mal mehrere Leute MIT ihren Fahrrädern bei Wolkenbruch retten konnten udgl. 🙂

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