Vermischtes, 10. August
E-Bikes In den letzten paar Tagen habe ich mehrfach in Urlaubsberichten gelesen, dass im Fahrrad-Freizeitbereich elektrifizierte Räder mittlerweile den Löwenanteil ausmachen, mitunter ist von 90 Prozent E-Anteil die Rede. Das deckt sich weitgehend mit meinen Beobachtungen der Sommertour: Auf den paar Fern-/Flussradwegen, die wir genutzt haben, würde ich das Verhältnis eher bei 2:1 ansetzen, aber als ich im Spessart offroad unterwegs war, sind mir zwar an beiden Tagen ebenfalls etliche Radler begegnet, aber ich war jeweils der einzige ohne Hilfsmotor (auf den Landstraßen sah die Sache, dank Rennradlern, noch anders aus). Und ich finde, diese Dinger sind eine sehr zwiespältige Angelegenheit:
• E-Bikes finde ich toll, wenn sie ein Auto ersetzen, etwa im Pendler-Verkehr, oder auch im selben Kontext statt des Fahrrades genutzt werden, wenn die Strecke zu lang oder zu hügelig ist, um unverschwitzt im Büro anzukommen.
• Nachvollziehbar finde ich es, ein E-Bike zu benutzen, wenn es dazu dient, Mobilitätseinschränkungen zu kompensieren, etwa um altersbedingt seinen Aktionsradius wieder zu erweitern – wenngleich in einer anzustrebenden Kultur des Konsumverzichts aus Klimaschutzgründen auch darüber nachgedacht werden sollte, die Verkleinerung des Aktionsradius zumindest im Freizeitbereich einfach zu akzeptieren (was mich selbst betrifft, hadere ich noch ein wenig mit diesem Gedanken, wie ich gestehen muss).
• Vollends verständnislos reagiere ich hingegen auf diejenige E-Bike-Klientel, die mir in den Mittelgebirgen bislang am häufigsten begegnet: meist männliches Jungvolk, typischerweise halb so alt wie ich, auf vollgefederten E-MTBs, dem es offensichtlich nur darum geht, die Startpunkte wilder Abfahrten zu erreichen, ohne sich auf dem Weg dorthin nennenswert anstrengen zu müssen. – Genau über diese Sorte Radfahrer Jammerlappen habe ich vor achtzehn Jahren schon mal was geschrieben. Damals war noch keine Rede von E-Motoren im Rad, aber die Richtung stimmt noch.

Mut Beim Gedanken ertappt, dass ich Florian Schroeders Auftritt bei den selbst ernannten Querdenkern in Stuttgart ziemlich mutig fand. Und dann im nachrichtlichen Kontrastprogramm, aktuelle Stichworte etwa Weißrussland oder Hongkong, mal wieder gemerkt, dass wir es hier doch ganz schön kuschelig haben, wenn das bewusst in Kauf genommene Ausgebuht-Werden auf einer Bühne, so unschön es fraglos ist, schon als Beispiel von Mut durchgeht.
Jugendkultur Schon seit einigen Jahren (ungefähr seit ich zum ersten Mal von meiner Tochter, damals etwa 14, zum, ich zitiere, Scheiß-Hippie geadelt wurde), frage ich mich, was für Möglichkeiten die Generation meiner Kinder überhaupt noch hat, gegen ihre Eltern zu revoltieren. Und das, was ich zu hören bekomme, wenn – etwa beim gemeinsamen Darten – mein Sohn für die Musik zuständig ist, gibt eine deutliche Antwort: Reaktionär ist das neue Revolutionär. Dann gibt es nämlich bevorzugt Deutschrap, und in diesen Texten geht es im Wesentlichen um hubraumstarke Verbrenner, Frauenverachtung, Drogen und Gott. Der Wahl-o-Mat würde CSU empfehlen, die Werte-Schnittmenge dürfte signifikant sein …


2 Comments
rappel
Das unterschreibe ich alles. 🙂
Aebby
Ein zustimmender Seufzer von einem, der einst sogar seine Ski den Berg hochgetragen hat und heute nicht mehr Ski fährt (aber immer noch Fahrrad ohne Motor).