Digital,  Randbemerkungen

Goldener November

Birken am Elbe-Lübeck-Kanal mit Spiegelung
Birken am Elbe-Lübeck-Kanal, eine halbe Minute durchs ND-3,6-Filter belichtet

Beim Aufstehen sah es deut­lich schöner aus, als die Wetter­vorher­sage hatte erwarten lassen. Und da nichts allzu Drin­gendes im Büro anstand, konnte es gleich noch mal eine Rad­tour sein. Einmal mehr Richtung Mölln und dann in nörd­licher Schleife zurück, es ist einfach zu schön da mit all den Feucht­niede­rungen, Natur­schutz­gebieten, schmalen, kaum befah­renen Schlängel­straßen und char­manten kleinen Dörfern. Erst­malig war ich heute im Natur­schutz­gebiet Pantener Moor­weiher, auch sonst habe ich wieder einige neue Weg­abschnitte kennen gelernt. Und außer zwei heftigen, aber sehr kurzen Schauern war es durch­gehend wunder­bares Fahrrad­wetter. – Nur schade, dass sich die vielen hundert Kraniche, die immer noch in der Gegend unter­wegs waren, nicht aufs Bild bannen ließen, aber ich hatte bloß das 35er einge­steckt.

Eine kleine Bildergalerie (Möllner Hafen, NSG Moorweiher, Kirche Berkenthin und ein paar Details vom Wegesrand) – den Strecken­verlauf plus ein halbes Dutzend weiterer Fotos findet ihr bei komoot:


Übrigens konnte ich heute früh sehr gut an mir selbst beob­achten, wie schnell sich irratio­nale Konsum-Impulse aufbauen können:

Nur zu gern hätte ich mal wieder die Groß­format­kamera mit Digital-Adapter und viel­leicht auch ein paar Plan­film­kassetten mitgenommen, die Ausrüstung liegt fertig gepackt griff­bereit. Aber dann hätte ich den Anhänger nehmen und deut­liche Abstriche bei der Strecke machen müssen, denn 80+ Kilo­meter mit schwerem Gepäck (Kamera­gedöns, großes Stativ und der Hänger summieren sich auf einen knappen Zentner), das ist mir dann doch zu viel, man ist ja keine 25 mehr … Weil ich es aber auch nicht mehr über mich bringe, nur für mich allein und zum Spaß den Verbrenner anzu­werfen, um eine Teil­strecke zu über­brücken, blieb halt alles daheim, was sich nicht bequem auf dem Rennrad trans­portieren ließ.

Und so habe ich beim Frühstück nicht zum ersten Mal gedacht, dass es eigent­lich schön wäre, ein E-Bike mit Anhänger­kupplung zu haben. Aber realis­tisch betrachtet ist das halt Quatsch: Denn ich würde ja nicht nur noch mit einem E-Bike fahren wollen, sondern eben nur dann, wenn ich viel Nutz­last über längere Strecken zu trans­portieren habe. Also würde der Akku (oder wahr­schein­licher: die Akkus – für einen ganzen Tag mit Hänger dürfte einer nicht reichen) wochen­lang nicht genutzt werden, müsste dann aber kurz­fristig mit voller Kapa­zität verfügbar sein. Und das ist nach allem, was ich über E-Fahr­räder weiß, sehr weit weg von opti­maler Hand­habung, weil solche Akkus wohl am besten bei etwa halber Ladung gela­gert und erst kurz vor Nutzung voll geladen werden; und dann wäre eine unge­plante, völlig spon­tane Tour wie heute eher nicht machbar. – Nachdem mir ein Fach­mensch für so was mal gesagt hat, bei guter Pflege halte so ein Fahrrad­akku „durchaus fünf Jahre“, müsste ich bei meinem Nutzungs­szenario eher von drei Jahren ausgehen, und es ist ja auch nicht so, dass diese Dinger Paar­mark­fuffzich kosten …

Jeden­falls frap­pierend, wie sehr man heut­zutage darauf geeicht ist, dass sich Probleme am besten dadurch lösen lassen, irgend­was Neues zu kaufen. Aber mein hier skiz­ziertes Luxus­problem lässt sich wohl sinn­voller dadurch lösen, dass ich mich damit zufrieden gebe, große Foto­ausrüstung mit kleinem Aktions­radius zu kombi­nieren und umgekehrt …

9 Comments

  • Frau Momo

    In der Gegend sind wir auch gerne unterwegs. Ich mag diese Landschaft dort sehr. Das Moor kenne ich noch nicht, das kommt gleich mal auf die to-do-Liste. Deine Photos machen Lust drauf. Ich dachte immer, ich schleppe schon viel mit, aber gegen Dich bin ich da doch eher ein Waisenkind 🙂
    Bei uns stellt sieh die Frage des Verkehrsmittels nicht. Da Martin schwer gehbehindert ist, ist das Auto meistens die einzige Option.

    • Christian Wöhrl

      Dieses NSG Moorweiher ist wahrscheinlich für eure Anforderungen eher keine Reise wert – im unteren Bereich, kanalseitig, kommt man zwar an zwei Teiche ran, aber das ist sehr unwegsam einschließlich Kuhweiden-Querung, und der Aussichtsturm im Bild ist zwar von Panten aus befestigt zu erreichen, aber halt auch schon ein paar hundert Meter weg von den Teichen. (Ein Bild von oben ist hier nicht dabei, das ist trotz Manuellfokus und Blende 8 völlig unscharf geworden – das blöde moderne Objektiv führt manchmal ein Eigenleben mit seiner AF-Elektronik.) Insofern versprich dir davon lieber nicht zuviel.

      Was das Gepäck angeht, hadere ich durchaus mit mir selbst, dass ich auf den Plattenkamera-Geschmack erst gekommen bin, als ich vom Fitness-Level eigentlich schon zu alt war dafür 🙂

    • Christian Wöhrl

      Nachtrag: Dass bei körperlichen Einschränkungen das Auto oft alternativlos sein kann, ist mir klar. Wenn ich mir selbst vermeidbare Autofahrten verbiete, ist das nicht als grundsätzliche Empfehlung an meine Mitmenschen in jeweils anderer Situation gemeint.

      • Frau Momo

        So habe ich Dich auch nicht verstanden… es ist vermutlich mein eigenes schlechtes Gewissen, das dafür sorgt, dass ich mich gelegentlich in einer Art Rechtfertigungszwang fühle…

  • derbaum

    die kirche! – und mit dem ausrüstung schleppen – da ist was dran, ich bin ja wesentlich genügsamer – aber das 200mm altglas überlege ich schon durch die berge zu tragen 😉

    • Christian Wöhrl

      Jup, für wenn ich mal wieder in deiner Ecke bin (wann auch immer), muss ich mir auch noch was ausdenken, wie ich ein Minimum an Planfilmgedöns all die schönen Steige raufgewuchtet bekomme 🙂

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