Digital,  Randbemerkungen

Klimakrisenlektüre

Nebenan waren sie vor anderthalb Wochen schon zu sehen: zwei spannende Bücher, die ich in den letzten Tagen geschmökert habe.

Bücher:
How to Blow Up a Pipeline
und
The Future We Choose

Beide sind auf unter­schied­liche Weise inter­essant, wenn man sich ein biss­chen ernst­hafter mit der Klima­krise beschäf­tigen möchte. How to Blow Up a Pipeline (gibt es auch auf Deutsch) ist seinem knal­ligen Titel zum Trotz keine Anar­chisten-Rezept­sammlung, sondern Andreas Malm befasst sich mit Klima­gerech­tigkeit, mit den theo­reti­schen Funda­menten von mora­lischem und strate­gischem Pazi­fismus und mit der nicht-trivialen Frage, ob und unter welchen Bedin­gungen Gewalt gegen Sachen erlaubt oder geboten sein kann. The Future We Choose von Christiana Figueres und Tom Rivett-Carnac fokus­siert sich auf Hoffnung und auf das, was wir konkret tun können, um aus den mögli­chen Szena­rien für 2050 das lebens­freund­lichste herbei­zuführen. Ich finde es nicht unein­geschränkt über­zeugend – mal sehr techno­opti­mistisch, mal diffus spiri­tuell, mal pathe­tisch –, aber die zentrale Bot­schaft ist halt schon enorm wichtig: …even at this late hour we still have a choice about our future, and therefore every action we take from this moment forward counts (S. 163).

Jedes Handeln zählt. Weshalb ich es umso bit­terer finde, dass in Deutsch­land noch immer so wenig Ver­ständnis dafür vor­handen ist, wie drama­tisch wir über unsere Verhält­nisse leben und wie drin­gend wir, auch unter dem Aspekt der Klima­gerech­tigkeit, einen viel größeren Beitrag zu Netto-Null­emissionen leisten müssten. Unsere schei­dende Bundes­kanzlerin hat es ja grund­sätz­lich begriffen, aber beim Spagat zwischen Physik und Macht wider besseres Wissen immer wieder Partei für die Pro­bleme ergriffen statt für mögliche Lösungs­ansätze. Noch immer werden die poli­tischen Menüs hier nach Rezepten aus der Nach­kriegs­zeit gekocht, als sei nicht lange schon klar, dass das Wirt­schafts­wunder auf Pump finan­ziert war und Wachstum in Wahrheit das Wuchern eines Krebs­geschwürs ist … – Aber gut, auch ein Merksatz aus The Future We Choose: Schuld­zuwei­sungen sind rück­wärts­gewandt, es geht aber nach vorn. In diesem Sinne lasse ich jetzt noch mal mit einer kleinen Grafik Dampf ab

(die ihr bei Gefallen gern weiterverbreiten dürft, hier ist die hohe Auflösung) und denke dann über Konstruktiveres nach. Versprochen.

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