Planfilm,  Randbemerkungen

Vermischtes mit Abstand

Gestern war ich im Kino. Wenn ich richtig mitge­zählt habe, war es das vierte Mal in diesem Jahr­hundert, woran man gut sieht, wie wenig wichtig mir die große Lein­wand geworden ist1 – aber für einen Film wie gestern würde ich glatt im selben Jahr noch mal hingehen. Es lief Outgrow The System, und der war mächtig inspi­rierend. Anders als der Trailer, der stark auf die hier­zu­lande bereits bekann­teren Thesen von Kate Raworth (Doughnut Economics) und Timothée Parrique (Degrowth) fokus­siert, hat der Film selbst einen ange­nehm breiten Blick­winkel auf unter­schied­liche Ansätze auch außer­halb des globalen Nordens, die Wirt­schaft parti­zipa­tiver und demo­krati­scher zu gestalten, um sie wieder den Inter­essen möglichst aller Menschen dienstbar zu machen statt umge­kehrt. Einge­bettet war das in eine nicht minder inter­essante Podiums­diskussion (siehe auch hier und hier), die die komplexe Thematik ein bisschen für Hamburg aufs Lokale herunter­brach; aber auch für sich allein hätte Outgrow The System bei mir viel Eindruck hinter­lassen. Wenn ihr die Chance habt, den Film zu sehen – nutzt sie.

***

Vorige Woche hab ich euch mit bild­lastigen Beiträgen ein bisschen zuge­worfen. Weil darunter zwei Fotos waren, mit denen ich trotz einiger Unvoll­kommen­heiten beson­ders zufrieden bin, stelle ich die beiden hier noch mal neben­einander, damit sie besser zur Geltung kommen. (Sie passen in gewisser Weise auch zusammen, als seien sie ein Pärchen.)


***

In den vergan­genen 48 Stunden ist mir auf dem Fahrrad zwei Mal was Bemerkens­wertes passiert: An unge­fähr derselben unüber­sicht­lichen Stelle der Land­straße haben zwei verschie­dene Autos dieses Typus, den im Rück­spiegel zu sehen den Puls immer beson­ders deut­lich beschleu­nigt (1x Dodge RAM, 1x so was ähnliches), so lange geduldig hinter mir gewartet, bis sie die Straße weit einsehen konnten, um mich dann mit sogar mehr als den vorge­schrie­benen zwei Metern Seiten­abstand zu über­holen. Kann so ein Verhalten bitte die Regel werden statt die seltene Ausnahme?


  1. um 1989/90 konnte das durchaus vier Mal pro Woche passieren, und im Extremfall sogar für immer denselben Film … ↩︎

2 Comments

  • Birte

    Ich bin ja staatlich anerkannter Kino-Muffel 🙂 Ich glaube, das letzte Mal war ich vor über 10 Jahren in Leipzig im Kino.
    Den Sicherheitsabstand einzuhalten und auch mal geduldig zu warten, ist ja so schwer nicht. Ich gehöre ja nun auch zu den Autofahrer*innen und halte mich aus Sicherheitsgründen an die Regeln und eben auch, weil ich immer denke, ich selber möchte auch nicht dauernd Puls haben wollen, wenn ein Auto hinter mir ist und ich immer hoffen und bangen müsste, waghalsig überholt zu werden. Das erlebe ich auf dem Roller ja auch mehr als häufig.

    • Christian Wöhrl

      Ich find’s auch enorm hilfreich, wenn man die jeweils andere Perspektive kennt. Wobei auch das kein Allheilmittel ist, weil sowohl kamikazehaftes Radeln als auch aggressives Autofahren so weit verbreitet sind, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das alles NUR Rad- oder NUR Autofahrende sein können; viele scheinen sich mit ihrer jeweiligen Rolle so zu identifizieren, dass sie völlig vergessen, wie es sich auf der anderen Seite anfühlt.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert